DOMSCHATZ MINDEN - Gebäude

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Der neu gestaltete Domschatz Minden zeichnet sich durch das 15 Meter hohe Gebäude aus, das rund 450 Quadratmeter Ausstellungs- und Nutzfläche auf drei Geschossen umfasst. Die Architektin Ines Miersch-Süß (Dresden) konzipierte es nach eigenen Worten "als eine Art Tageslichtmuseum für den Ausstellungsbesuch und die Andacht bei Tageslicht".

Die Grundlagen für die Planungen der neuen Domschatzkammer wurden bereits Anfang der 2000er-Jahre durch die Mindener Architekten Daniela Birkenhauer und Hans Peter Korth mit ihren Entwürfen gelegt. Die wurden 2006 verworfen, als die Stadt Minden über eine komplette Neuentwicklung des Bereiches Kleiner Domhof mit einem Einkaufscenter nachdachte. Diese Überlegungen betrafen auch das Haus am Dom mit seiner Schatzkammer. Allerdings wurde das Großvorhaben zur Neugestaltung des Kleinen Domhofes aufgrund eines Bürgerentscheids nicht verwirklicht.

Die Hauptexponate im nun in der jetzigen Form gestalteten Domschatz Minden sind im ersten Geschoss ausgestellt, und ihre Präsentation ist auf die Eigenwirkung des Objekts ausgelegt. Die Hauptachse bildet das unmittelbare Gegenüber der Maria mit dem Jesuskind im Arm und Christus am Mindener Kreuz, dem berühmtesten Objekt der Sammlung. Im zweiten Obergeschoss geht es weiter mit den Teilen der Sammlung aus der Zeit nach 1500. Die Räumlichkeit ist in Anlehnung an eine Sakristei konzipiert - also den ursprünglichen Aufbewahrungsort des liturgischen Geräts. Hier befindet sich außerdem die Bibliothek.

"Die Grundidee hinter allem war, dass der Kirchenschatz im Innern gleichsam von außen, von der Stadt her gesehen oder zumindest erahnt werden kann und umgekehrt von innen her collagehaft als Teil der Stadt mit den Ansichten der umliegenden Gebäude verschmilzt", erläutert Ines Miersch-Süß.

Domschatz-Minden_neu_04.JPGAngesichts der Größe des Gebäudes und der filigranen, vorwiegend metallischen und handwerklich extrem fein gearbeiteten Hauptobjekte beschränkt sich die Architektin sowohl bei der Gestaltung der Gebäudehülle wie auch Teilen des Innenraums auf ein einziges Material: Metall. Das heißt, die Außenwände werden zum metallenen Gefäß, gleichsam einer Art Pyxis. Der Besucher des Domschatzes Minden verspürt somit eine Aura der Modernität und des Heute, der Gegenwärtigkeit von Glaube.

Das Gebäude zeigt sich von allen Seiten als metallverkleideter Kubus. Die Oberfläche bilden sogenannte Alucobond-Platten in Rautenform. Nur der Eingangsbereich weicht als Bauteil mit geschosshohem Glas ab. Hier wird die Gestaltung der Umgebungsbebauung aufgegriffen.

Die Nordseite wird von drei rechteckigen, raumhohen Fenstern durchbrochen. Der vierkantige Abschluss des Gebäudes ist eine Reminiszenz an den Chorabschluss im Osten des nur 50 Meter entfernten Mindener Domes. Die metallene Pyxis wird von drei Fenstern durchbrochen, was man zum einen als Verzierung sehen kann. Doch da das gelbe Licht der Objektbeleuchtung hier durch die ansonsten geschlossene Gebäudehülle nach draußen dringt, schaffen die drei Fenster zugleich eine Verbindung zwischen Schatzkammer und Stadt.

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Aus dem ursprünglichen Gebäude wurden all die Bauteile für die neue Konstruktion übernommen, die für die Abtragung der Lasten erforderlich waren, sowie außerdem die Geschossdecke zwischen Erdgeschoss und erstem Obergeschoss samt Stützen. Das zweite Obergeschoss wurde als freitragende Leichtbaukonstruktion auf den Außenwänden aufgebaut, um die neuen statisch wirksamen Lasten in die Außenwände der Tiefgarageneinfahrt abzuleiten, denn die Mittelwand der Tiefgarageneinfahrt kam auf Grund ihrer mangelnden Dicke für Lastenabtragung nicht in Frage.

Um die erforderliche bauphysikalische Funktion der Fassade zu gewährleisten, wurden alle vorhandenen Wandaufbauten abgebrochen, etwas zurückgesetzt wieder neu hergestellt und mit einer Wärmedämmung ausgestattet. Der darum aufgebrachte Alucobond-Fassadenabschluss des Wandaufbaus ist so dünn, dass die Grundstücksgrenze nicht überschritten wurde. Andernfalls wäre diese architektonische Neugestaltung der Domschatzkammer Minden nicht möglich gewesen.

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Weitere Informationen auf der Website der Architektin